Ausschnitt aus der Urkunde Herzogs Ernst von Braunschweig und Lüneburg vom 16. November 1530 über die Versorgung des Klosters Wienhausen. In der zweiten Zeile finden sich die Worte "vor uns (und) unsere Erben"; also für immer soll diese Versorgung geleistet werden.

Die Reformation (1)

Der Konvent des Klosters Wienhausen lebte nach den Gewohnheiten des Zisterzienserordens. Dieser Orden hatte sich im 11. Jahrhundert als benediktinischer Reformorden gebildet. Schon in der Bestätigungs- und Genehmigungsurkunde des Hildesheimer Bischofs Konrad II. von 1233 wird der Orden ausdrücklich genannt. Im 15. Jh. kam es zu einer klösterlichen Reformbewegung, die auch im Kloster Wienhausen die striktere Einhaltung der Ordensregeln einforderte. Die Jahrzehnte nach dieser Reform entwickelten sich zu einer geistlichen Blütezeit, der Bildungsgrad der Nonnen erreichte ein hohes Niveau. Zeugnis davon legen zahlreiche im Klosterarchiv erhaltene Schriftquellen ab, die z.B. den alltäglichen Gebrauch der lateinischen Sprache dokumentieren. In diese Phase geistlicher und intellektueller Stabilität fällt ab den 1520er Jahren die sich im Kloster über viele Jahrzehnte hinziehende lutherische Reformation. Der Konvent des Klosters Wienhausen wehrte sich heftig dagegen, konnte ihre Einführung letztlich aber nicht verhindern. Der Herzog sicherte sich dadurch Zugriff auf das klösterliche Vermögen und zog es schließlich zu großen Teilen ein. Diese „Enteignung“ ist die Grundlage für die andeuernde staatliche Unterstützung des Klosters, die seit den 1960er Jahren von der Klosterkammer Hannover als niedersächsischer Landesbehörde geleistet wird.

 


 

Seite 2 der Original-Chronik Handschrift des Klosters Wienhausen (Hs 20) aus dem Jahr 1692. In der Mitte die Ortsbezeichnung "Neuen Hagen". (Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Wann wurde das Kloster Wienhausen gegründet? (2)

Das nur wenige km südwestlich von Wienhausen gelegene Dorf Nienhagen, heute ein Ortsteil der Samtgemeinde Wathlingen, erinnert sich in diesem Jahr nicht ohne Stolz an seine Entstehungszeit in den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts. Die Chronik des Klosters Wienhausen aus dem Jahr 1692 berichtet davon, dass Herzogin Agnes, „Herzogin zu Saxen und Fürstin zu Braunschweig und Lüneburg“, als sie sechs „Jahr im Witwenstande gelebet“, das Kloster Wienhausen, „wiewoll erst zu Neuen Hagen [hat] anlegen lassen, [damit] darin die Jungfrauen nach dem Cistercienser Orden … Gott dem Herrn zu dienen verbunden seyn“. Die Chronik legt das Todesjahr ihres Ehemanns Pfalzgraf Heinrich in das Jahr 1225, woraus sich jetzt das Jahr 1231 für das oben Gesagte errechnet.  Es folgen dann Beschreibungen, dass Agnes die ersten Nonnen sowohl „von der Gaßen“ ins Kloster bringen ließ als auch „gewisse Jungfern aus dem Kloster Wöltingerode nach dem neu angelegten Kloster“ berief. Von diesen allen seien „sieben zu Neuen Hagen“ begraben worden. Dann folgt die berühmte Stelle, dass nach zehn Jahren, „von Wassermükken und allerhand gifftigen Würmern sehr incommodieret“, das Kloster nach Wienhausen an den heutigen Standort verlegt wurde. Rechnet man nun zehn Jahre zurück, wurde das Kloster Wienhausen demzufolge zuerst im Jahr 1221 in „Neuen Hagen“, dem heutigen Nienhagen gegründet – also genau vor 800 Jahren.

Auf den fehlenden urkundlichen Nachweis für diese Gründungsgeschichte wurde bereits (s. unten: "Wann wurde das Kloster Wienhausen gegründet (1)“) hingewiesen. Den wissenschaftlichen Diskurs darüber wollen wir an dieser Stelle aber nicht befördern, sondern wir freuen uns über die Verbundenheit der Einwohner von Nienhagen mit „ihrem“ Kloster Wienhausen.

Das Kloster hat sein 600- und 700jähriges Jubiläum auf die urkundliche bischöfliche Genehmigung und Bestätigung der Gründung aus dem Jahr 1233 bezogen und wird also erst im Jahr 2033 sein 800jähriges Bestehen feiern.


 

Brief des Präsidenten der Kloster- kammer Hannover vom 21. 10. 1963

Kloster Wienhausen und die Klosterkammer Hannover (2)

Der Klosterkammer Hannover übernimmt die Unterhaltung der Lüneburger Klöster, Klosterarchiv Wienhausen, M 106.

Im 16. Jahrhundert zog der Landesherr im Zuge der Einführung der Reformation die Klosterpropsteien und mit ihnen einen Großteil der Klostergüter der Lüneburger Frauenklöster ein. In den meisten Klöstern entstanden aus den Propsteien in der Folgezeit staatliche Ämter. Diesen oblag nun die Versorgung der Konvente. Allein das Kloster Wienhausen konnte bedeutenderes Eigengut bewahren und erhielt sogar als einziges Kloster bereits 1530 eine herzogliche Versorgungszusage. In den anderen Klöstern wurden zwischen 1594 und 1862 zahlreiche Vereinbarungen, „Rezesse“, mit unterschiedlichen staatlichen Stellen wie z. B. der Domänenverwaltung geschlossen. Auch die Bauunterhaltung war Gegenstand von „Baurezessen“.

Nach der Neuordnung der klösterlichen Verhältnisse mit dem Erlass der neuen Klosterordnung für die Lüneburger Klöster 1959 durch das Niedersächsische Kultusministerium folgte 1963 eine Vereinbarung zwischen der niedersächsischen Landesregierung und der Klosterkammer Hannover, die von nun an die staatlichen Leistungsverpflichtungen gegenüber den Klöstern übernahm. 1983 erfolgte eine Ergänzungsvereinbarung. 


 

Schreiben des Oberpräsidenten in Lüneburg an das Kloster Wienhausen. Abschrift der Äbtissin Bertha Mühry (1934-1950).

Kloster Wienhausen und die Klosterkammer Hannover (1)

Der Präsident der Klosterkammer wird Landeskommissar für die Lüneburger Klöster, Klosterarchiv Wienhausen, M 131.

Die Verbindung des Klosters Wienhausen mit der Klosterkammer Hannover ist noch sehr jung. 1711 wurde das Amt des landesherrlichen Klosterkommissars eingeführt. Die allein von den Äbtissinnen zu vergebenden Anwartschaften auf Klosterstellen sollten von nun an ebenso wie die Rechnungsführung einer stärkeren staatlichen Kontrolle unterliegen. Die Jahresrechnungen mussten jetzt dem Landeskommissar zur Prüfung vorgelegt werden. Nach der Hyperinflation in den 1920er Jahren waren die zur Versorgung der Konvente noch vorhandenen Vermögenswerte wertlos geworden. Die Rechtsverhältnisse der Klöster einschließlich einer möglichen Auflösung wurden diskutiert.  Um die aus der Reformationszeit herrührenden staatlichen Leistungen effizienter zu gestalten, war die Übernahme des landesherrlichen Klosterkommissariats durch den Präsidenten der Klosterkammer als Leiter einer in diesen Fragen erfahrenen Fachbehörde eine für alle elegante Lösung. Erst am  5. Mai 1937 wurde dies durch Erlass des preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung umgesetzt; am 14. Mai 1937 teilte es der bisherige Landeskommissar, Regierungspräsident Matthaei in Lüneburg, dem Kloster Wienhausen mit.


 

Siegel des Bischofs an der Urkunde von 1229

Wann wurde das Kloster Wienhausen gegründet? (1)

Klosterarchiv Wienhausen, Urkunde 3 von 1229

Die Frage nach dem genauen Gründungsdatum des Klosters Wienhausen läßt sich leider nicht exakt beantworten.  

Die um 1692 geschriebene Chronik nennt das Jahr 1221 und als Gründungsort das nahe Nienhagen. Zehn Jahre später sei dann das Kloster "wegen des sümpfichten Orts" und der "Wassermükken" an den jetzigen Ort Wienhausen verlegt worden. Doch dafür gibt es keine urkundliche Bestätigung. Statt dessen findet sich in einer 1229 von Bischof Konrad II. von Hildesheim ausgestellten Urkunde ein eindeutiger Nachweis für einen Konvent in Wienhausen. Der Bischof schenkt der Kirche von Wienhausen den Zehnt aus dem Dorf Klein Lopke und erwähnt als "Verwendungszweck" den Unterhalt der Frauen, die sich täglich zu jeder Stunde dem Lob Gottes widmen.
Diese Bemerkung ist der älteste Nachweis eines Konvents in Wienhausen, vier Jahre vor der offiziellen Gründungsbestätigung durch Bischof Konrad im Jahr 1233.


 

Die Güter des Klosters

Klosterarchiv Wienhausen, Urkunde U 9 von 1235

Herzog Otto schenkt dem Kloster Wienhausen Einkünfte aus der Saline Lüneburg, die Mühle in Lachtehausen und Häuser in Gockenholz. Die Klostergründerin Agnes, Witwe seines Onkels, hat ihm die Burg Celle (heute Altencelle) dafür überlassen. Außerdem bestätigt er Agnes´ Schenkung an das Kloster, bestehend aus der Hälfte des Patronats über die Kirche zu Gr. Hehlen nebst den dazu gehöhrende Gütern in Baven, Garßen und Gütern in Gr. und Kl. Hehlen, Boye, Belsen, Garßen, Wolthausen und Stedden, Hambüren und weiteren Gütern in Höfer und Scharnhorst.

Das Siegel zeigt den nach rechts schreitenden Braunschweigischen Löwen. Die Umschrift lautet: SIGILLUM OTTONIS DVC(IS) (D)E B(RU)NESWIC

Die Urkunde liegt in der originalen Faltung vor; genau so, wie sie im Mittelalter in einer verschlossenen Brieflade aufbewahrt wurde. Der zeitgenössische Rückvermerk nennt den Betreff: “Sartago et alia bona in luneborch - Otto dux dedit ac Agnes...”.